Die Sammlung Hollander

In der ausserordentlichen Sammlung Hollander zeichnet sich der Alltag von einst im Besteck ab. Seit Ende des 15. Jahrhunderts beginnt man damit, die einfachen Tafelutensilien – den Dolch, den hölzernen Löffel – mit Verzierungen zu schmücken, ja als kleine Kunstwerke zu gestalten. Der belgische Sammler Jacques Hollander hat zahlreiche Essgeräte zusammengetragen, die von dieser Entwicklung zeugen – vom bäuerlichen Besteck bis zum raffinierten und kostbaren Ensemble. Die weit über tausend Objekte vom Mittelalter bis zur Neuzeit widerspiegeln den gelebten Alltag von einst: am fürstlichen Hof, im bürgerlichen Haus oder auf dem Bauernhof.

Jacques Hollander (1940-2004)

Schon als Student zeigte der belgische Unternehmer und Sammler Jacques Hollander (1940-2004) seine «Nase» für verborgene Schätze. Er finanzierte seine Studien, indem er am Flohmarkt unbeachtet gebliebene Kunstgegenstände aufstöberte und sie den Antiquitätenhändlern weiterverkaufte. Aus dieser Zeit stammt auch seine Faszination für die Welt des Tafelbestecks, ein damals noch wenig beackertes Sammelgebiet. In den vier Jahrzehnten danach wird Jacques Hollander die umfassendste und grösste Sammlung von Messern, Gabeln und Löffeln vereinigen, die sich bis heute in Privatbesitz befindet. Dabei blieb der Sammler Amateur im besten Sinn des Wortes. Zusammen mit einigen der bekanntesten belgischen Architekten und Künstlern schuf er in Brüssel die «Museumshotels» New Siru hôtel und Dorint und gehörte zu den Urhebern aussergewöhnlicher Projekte wie der Musterstadt Miratejo in Portugal.

Reichen Zuwachs erhielt Hollanders Lebenswerk durch den Ankauf bereits bestehender berühmter Sammlungen (das einstige Besteckmuseum Bodo Glaub in Köln, die Kollektion Frédéric Spitzer und andere). Aber auf seinen ausgedehnten Geschäftsreisen bewies Jacques Hollander auch weiterhin seine «Nase»: als enthusiastischer Besucher von Trödlern und Flohmärkten in allen Ecken Europas und «vom Besteck Besessener», wie er sich selbst nannte.

Hollander trug ein Ensemble von Objekten zusammen, das unterschiedlichste Aspekte der westlichen Kultur über ein halbes Jahrtausend hinweg verkörpert: Kunst, Technik, die Gesellschaft und ihre Erscheinungsformen, die Kunst des Tafelns und natürlich auch die Tafelsitten. Alle Kunststile widerspiegeln sich im Besteck – von der Gotik bis zum Jugendstil und zur Art Déco. Besteckgriffe des Barock nehmen die Form kleiner Statuen an, und einige historistische Beispiele des späten 19. Jahrhunderts fassen die Geschichte des Kunsthandwerks mehrerer Jahrhunderte

zusammen. Diese widerspiegelt sich auch in der Behandlung der Motive und der Anwendung unterschiedlichster Techniken und Materialien: Email, Glas, Porzellan oder Niello. Die Kostbarkeit und das exotische Flair zahlreicher edler Werkstoffe wie Elfenbein, Bernstein, Halbedelsteinen, Korallen, Kristall oder Perlmutter verleihen den Glanzstücken der Sammlung eine ausserordentliche sinnliche Präsenz.La collection Hollander